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Donnerstag 14 März 2002

Italien
Umbrien – hohe Hügel, spröde Schönheit
Spielplätze und Startareale

   

Umbrien und vor allem Castelluccio gehören zu den großen Klassikern unter den Flugregionen. Gigantische Grasflächen sind Anfängern wie Profis Spielwiese und Starplatz zugleich. In GLEITSCHIRM Heft 8/2000 haben wir unsere Leser zum Streifzug durch diese herrliche Gegend eingeladen.

Das milde, morgendliche Licht dringt durch den herbstlichen Wald, als sich das Wohnmobil mühsam die Strasse von Norcia nach Castelluccio hinauf quält. Lautes italienisches Palaver hat unseren Schlaf an der Stadtmauer von Norcia nahe der Porta Orientale schon bald beendet. Noch etwas verschlafen tuckern wir auf unser Ziel, das - in Fliegerkreisen berühmte - Hochplateau von Castelluccio zu. Erste tolle Ausblicke nach San Pellegrino ergeben sich, als plötzlich Bewegung im Unterholz neben der Straße unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt, und die steigungsbedingt schon langsame Fahrt noch zusätzlich verlangsamt. Da, ein schwarzer Schatten löst sich aus dem Dunkel des Waldes - ein Wildschwein. Gefolgt von einigen Frischlingen und zuletzt von "Mama-Wildschwein" trottet der mächtige Eber vor unserem Fahrzeug über die Straße. Was für ein Erlebnis, diese scheuen Tiere so nah zu sehen. Der letzte Ansatz von "Morgenmuffel" ist dadurch vertrieben. Mittlerweile erreichen wir die kleine Paßhöhe, die uns den ersten großartigen Blick ins sogenannte Piano Grande ermöglicht. Und obwohl wir nicht das erste Mal an dieser Stelle stehen, raubt uns eben dieser Blick auf die große Hochebene mit seiner Großartigkeit den Atem.


Umbrien - spröde Schönheit
Nein, die liebliche Leichtigkeit der benachbarten Toskana ist es nicht, die Umbrien verkörpert. Hügel und Berge verschließen dieses Kleinod (Gott sei Dank) von den touristenumlagerten Stränden der Adria auf der einen Seite und den Stränden nördlich der Ewigen Stadt Rom auf der anderen Seite. Umbrien will erobert werden ! Dann aber bleibt Natur und Kultur unvergessen. Hügel, Berge, Steineichenwälder, mittelalterliche Städte - eine archaische Landschaft, die einen sofort in den Bann zieht. Und auch einer bestimmten Mystik kann man sich in ganz Umbrien - nicht nur in Assisi - nicht verschließen. Ein Eldorado ist Umbrien für kulinarische Feinspitze. Trüffel (z.B. fein geraffelt auf Spaghetti - Spaghetti tartuffo), Wildschwein (z.B. die würzigen Wildschweinwürste), Fluß- und Seefische, Lammfleisch, Käse, die berühmten "Linsen von Castelluccio", die umbrische Speisekarte ist vielfältig. Wein hat in Umbrien noch nicht so lange Tradition, aber ein weißer "Orvieto Classico" oder ein Rotwein aus Torgiano runden ein umbrisches Essen perfekt ab.

Wandern und Biken
Die Weitläufigkeit der umbrischen Berge eignet sich besonders auch zum Wandern ; Mountainbiketouren aller Schwierigkeitsstufen erlauben eine wunderbare Annäherung an die Bergwelt. Besonders das weitläufige Gebiet rund um den Monte Cucco sowie natürlich die Sibillinischen Berge Castelluccios sind ein Paradies für Biker und Wanderer.

Klassiker Monte Cucco
Schon seit Beginn des Drachenflugsports ist der Monte Cucco im Norden Umbriens ein Klassiker. Freistehend, baumlos, eine Straße bis auf den Startplatz - kein Wunder, daß auch die Gleitschirmflieger diesen Berg erobert haben. Majestätisch beherrscht der Gipfel des "Cucco", der vom kleinen Ort Sigillo aus erreicht wird, die Umgebung. Diese Tatsache hat allerdings nicht nur positive Seiten, denn oft ist es zum Gleitschirmfliegen einfach zu windig. Dann erobern sich die Hängegleiter ihren Berg zurück. Wenn der Wind allerdings auch für uns "knochenlose Flieger" paßt, sind Flüge am Cucco unvergleichlich. Der meist laminare Aufwind ermöglicht Flugspaß von morgens bis abends, selbst wenig geübte Piloten können auf dem weitläufigen, im oberen Teil flachen Startplatz erste Toplandeerfahrungen machen. Zwei Kneipen am großen Plateau sind vom Startplatz mit dem Auto schnell erreichbar, um sich nach langen Flügen zu stärken. Wer direkt am Berg schlafen möchte findet hier auch Quartier. In Absprache mit dem Wirt, der auch Drachenflieger ist, ist auch Camping möglich.

Auf den Spuren des Heiligen Franz
Nicht weniger interessant ist der Flug vom Monte Subasio über dem mysthischen Zentrum Umbriens, der Wirkungsstätte des Heiligen Franz von Assisi. Während sich im Sommer die Pilger demutsvoll in Menschenschlangen dem "Allerheiligsten" von Assisi, der Basilika S.Chiara am gleichnamigen Platz nähern, können wir Gleitschirmflieger fast hochnäsig über den überfüllten Gassen schweben. Andererseits - demutsvoll sollten wir ja angesichts des großen Erlebnisses Fliegen in der Luft immer sein. Denn schließlich sind wir dem Himmel näher ! Neben wunderbaren Thermikflugmöglichkeiten hat Assisi auch XC-Potential. Ein erfolgreicher Flug zum Monte Cucco (35 km) ist ein Klassiker.

Gubbio - ein Ausflug ins Mittelalter
Nur wenige Kilometer von Sigillo, und damit vom Monte Cucco entfernt, liegt Gubbio, für viele das schönste, mittelalterliche Städtchen Umbriens. Und tatsächlich, wenn man oben beim Palazzo dei Consoli steht, ist man sprachlos. Geschichte live sozusagen. Starten kann man in Gubbio direkt über der Stadt am 983 m hohen Monte Foca. Dementsprechend atemberaubend sind die Tiefblicke auf die Plätze und verwinkelten Gassen Gubbios. Dem steht auch der Landeplatz in nichts nach. Nach einem ausgedehnten Thermik- oder Soaringflug landet man direkt neben den Resten eines kleinen römischen Amphitheaters. Auf Grund seiner Lage ist der Monte Foca auch weniger windanfällig wie der Monte Cucco, und daher eine gute Ausweichmöglichkeit, wenn am "Cucco" der Wind tobt.

Wunder Castelluccio
Das von Gleitschirmfliegern best besuchte Gebiet in Umbrien ist Castelluccio. „Gebiet" ist eigentlich im Zusammenhang mit der südlich vom "Dreieck" Monte Cucco-Gubbio-Assisi gelegenen Region der falsche Ausdruck. Denn das einsame Hochtal oberhalb von Norcia ist ein eigener Mikrokosmos. Eine eigene kleine Welt aus Himmel, Bergen, Frühnebel, Schafen, Hirten, Pferden, Grashügeln, weitläufigen Wiesen und ... traumhaften "Spielplätzen" und Startarealen für Gleitschirmflieger. Wie eine Ritterburg trohnt der kleine Ort Castelluccio auf einem Hügel am Nordende der großen Hochebene, des Piano Grande und bildet die tolle Kulisse für traumhafte Flüge. Zwei leicht erreichbare Startplätze gibt es direkt in's "Piano" : Die Fontanile, der Oststartplatz, der auf einem Fahrweg direkt von Castelluccio erreichbar ist, und die Forca di Presta, der Weststartplatz, den man über die Asphaltstraße nach Arquata erreicht. Am Landeplatz der Fontanile - mitten im Piano - gibt es auch Campingmöglichkeiten. Gute Gleitschirmpiloten sieht man des öfteren direkt vom Landeplatz aus den Berg zur Fontanile erklimmen. Aber nicht mühselig wandernd, sondern entweder mit dem Gleitschirm als Zugdrachen den baumlosen Wiesenhang bis zum Startplatz hinauf, oder schon nach wenigen zurückgelegten Höhenmetern startend und in der laminaren Brise zum Startplatz aufsoarend.

Startmöglichkeiten gibt es im "Piano" noch viele, mit Fontanile und Forca di Presta sollte man aber wegen der guten Erreichbarkeit das Auslangen finden, die meisten anderen Startplätze erfordern auch 4WD-Ausrüstung. Nicht unerwähnt - weil großartig - darf aber der Flug hinunter nach San Pellegrino beiben. Unvergessen bleibt mir da ein Abendflug, als wir im Aufwind noch bis zu den sonnenüberfluteten Bergspitzen hochsoarten, während sich über San Pellegrino im Tal schon die Dunkelheit senkte. Erst viel später mußten wir das "Reich des Lichtes" verlassen und lautlos ins Dunkle schweben, um auf dem von Autoscheinwerfern ausreichend beleuchteten Landeplatz den Flugtag zu beenden.


Einige Infos :

ASSISI - Monte Subasio 1.290 m

Auffahrt :
Vom Stadtzentrum (Porta Cappuccini) führt die Straße bis zum Kloster Eremo delle Carceri und zum Monte Subasio. Auch ein Campingplatz ist in diese Richtung beschildert, danach folgt man den Hinweistafeln Richtung Monte Subasio. Auch über Spello - Kirche der Madonna della Spella gelangt man von der Ostseite zum Startplatz.

Startplatz :
Nach Norden (800m), Süden (500m), und Westen (900m) gibt es Startmöglichkeiten.

Landeplatz :
Der Landeplatz liegt etwas versteckt im Südosten von Assisi in Rivotorto unweit der Bundesstraße B75.

Info : Luca Astuti, Cell 0338/7018684

GUBBIO - Monte Foce 980 m

Auffahrt :
Im Norden der historischen Stadt führt eine Straße durch ein Stadttor Richtung Schéggia. Dieser, durch einen schluchtähnlichen Geländeeinschnitt führenden Straße folgt man, bis kurz nach einem Aussichtspunkt auf eine Schotterstraße nach Nordwest abzubiegen ist. Nun geht es steil bergauf, bis man linker Hand zu einem kleinen Bauernhof kommt. Hier zweigt man vor dem Gebäude abermals links ab um auf der Nordseite des Monte Foce Richtung Startplatz zu fahren. Die letzten Meter(ca. 15 Minuten) müssen zu Fuß zurückgelegt werden.

Startplatz (980 m) :
Der steile Wiesenstartplatz bietet sich für Ost, Süd und Westwind an.

Landeplatz (450 m) :
Südwestlich des Stadtkerns befindet sich beim Römischen Amphitheater ein großer Park der als Landeplatz genutzt wird.

Übernachtung :
Zwei offizielle Camingplätze stehen zur Verfügung, ebenso mehrere Hotels im historischen Stadtkern. Wohnmobile können am Parkplatz vor dem römischen Theater parken. In der angrenzenden Parkanlage wird freies Campieren geduldet.

Sehenswertes :
Palazzo dei Consoli - das Wahrzeichen Gubbios ; Piazza della Signoria ; Palazzo Ducale mit einem hübschen Innenhof ; Dom von Gubbio ; Fontana dei Matti (Brunnen der Verrückten), an der Piazzetta Largo del Bargello (die Bürgerschaft von Gubbio erwirbt man : durch dreimaliges um den Brunnen laufen und dabei "sono pazzo - ich bin verrückt" zu rufen ; Römisches Theater ; Basilika San Ubaldo. Aufregend ist ein Spaziergang zur Basilika, zu der man bequem auch mit der Drahtseilbahn gelangt.

SIGILLO - Monte Cucco 1.566 m

Auffahrt :
Direkt im Ort Sigillo zweigt die asphaltierte Straße auf den Monte Cucco ab, die direkt bis zum Startplatz führt.

Startplatz - Pian di Monte :
Große flache Wiesenfläche, nach Süden ausgerichtet, Toplandung möglich.

Landeplatz :
Direkt an der Straße, am Fuße des "Cucco" erstreckt sich ein großzügiger Landeplatz.

Picknick :
Am Monte Cucco gibt es im Val di Ranco und auf der Pian delle Macinare jeweils eine große Wiese mit Wasserquelle, Tischen und Bänken zum Picknicken.

Weitere Infos :
Ein Nationalparkgebiet in dem Adler, Wölfe und Luchse angesiedelt sind, zudem ein weitläufiges Höhlensystem (Grotta di Monte Cucco). Der bis heute erforschte Teil der Höhle hat eine Ausdehnung von 24,3 Kilometern und eine Tiefe von 945 Metern. Eine Kletterführung durch die Felsenschlucht des Rio Freddo (=Kalter Fluß) mit mehr als 20 Wasserfälle in dieser tief ausgewaschenen, 4 km langen Schlucht wird angeboten.

Übernachtung :
Unterkünfte in Sigillo und Campingplatz in der Nähe vorhanden.

NORCIA - Castelluccio - Piano Grande - 1.300-1.600 m

Allgemein :
Die weitläufige Umgebung der Hochebene von Castelluccio bietet alle Möglichkeiten für Gleitschirmflieger.

Landemöglichkeit :
im Piano Grande

Startplätze :
Die mit PKW am leichtesten erreichbaren Startmöglichkeiten : Fontanile (SO) :
Folgt man der südwestlich aus Castelluccio führenden Schotterstraße gelangt man direkt in das Startgelände. Forca di Presta (NW) :
Vom Paß Forca di Presta auf der Asphaltstraße nach Arquata führt eine Schotterpiste Richtung Süden bis zu einer Hütte. Von dort ist es nur mehr erlaubt, mit einer besonderen, schriftlichen Genehmigung weiterzufahren, oder 15 Minuten zu Fuß auf die große, flache, grasbewachsene Hochfläche zu gehen.

Rifugio Perugia (SW,NW) :
In der ersten scharfen Kurve unterhalb der Paßhöhe Canapine parkt man das Fahrzeug. Auf einer vorgelagerten Kuppe liegt der Startplatz

Landeplatz :
Westlich von San Pellegrino, direkt an der Straße.

Übernachtung :
Camping ist die gängigste Art nebst Berghütten und spärlichen Hotel-, bzw. Privatunterkünften.

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