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Mittwoch 8 Mai 2002

Frankreich
Gréolières, Gourdon und Ozone
...here are the champions

   

Als die Mannschaft des Herstellers OZONE vorm Weggang von Bruce Goldsmith noch "ein Herz und eine Seele" war, hatten wir die erfolgreichen Newcomer in ihrer südfranzösischen Hochburg besucht. Seit diesem Beitrag, den Sie unten lesen können, sind schon etliche Piloten nach Gréolières gepilgert, um diesen Flugberg persönlich zu entdecken. Und stellen fest : die Gegend ist und bleibt ein lohnenswertes Reiseziel, auch wenn sich Bruce und Robbie heutzutage am Startplatz etwas aus dem Weg gehen (fliegen) !

Kaum ist der kleine Pass überwunden, tut sich eine Bilderbuch-Landschaft auf. Die Straße schlängelt sich über die Hänge des tief eingeschnittenen Tals. Zur linken Hand ragen helle Felswände in den azurfarbenen Himmel, rechts geht's steil in eine grüne Schlucht. Weit hinten am Horizont leuchtet das tiefblaue Mittelmeer, und der Kirchturm eines malerischen Dörfchens reckt sich der brennenden Sonne entgegen.

Hyperaktive Rentner
Gréolières heißt das südfranzösische Nest : Ein provenzalisches Dorf wie extra für's Klischee gemacht. Genauso, wie es unzählige Deutsche, Holländer oder Briten lieben, die sich hier ein Ferienhaus kaufen, und die romantische Bleibe irgendwann zum Altersruhesitz umzufunktionieren. Mindestens drei zugezogene Engländer kennen wir schon vor unserer Ankunft. Nur sind die nicht in Rente, sondern eher überaktiv. Einer davon zum Beispiel kommt jeden Abend auf dem Luftweg von der Arbeit nach Hause. Per Überschlag und Looping spiralt er sich unter den wohlwollenden Blicken der Einwohner von seinem Testgelände hoch über dem Ort auf die große Wiese am Dorfrand hinunter : Robbie Whitall, 30 Jahre, Drachenweltmeister 1989, Gleitschirmweltmeister 1991, und Testpilot von Ozone, hat Gréolières als Wohnsitz auserkoren. Praktischer geht's kaum : Auf dem Bergkamm oberhalb der Felswände kann man prima zwischenlanden, eine Fangleine des Prototypen verkürzen, und gleich wieder in den Aufzug starten.

Illustre Einwohner
Seit Januar dieses Jahres lebt der illustre Brite in Gréolières. Er ist seinem Freund und Arbeitgeber Bruce Goldsmith gefolgt, der schon seit einem Jahr mit seiner isländischen Frau dort wohnt. Bruce, 38 Jahre, Geschäftsführer von Ozone, hat sich im Flugmilieu ebenfalls einen Namen gemacht : Sieger des Drachen-Welt-cup 1991, Englischer Drachenmeister 1991 und 1992, Englischer Gleitschirmmeister 1998, um nur einige Erfolge zu nennen. Sicherlich ist Bruce allen Gleitschirmfliegern auch im Zusammenhang mit Airwave bekannt. Diese Firma hat er verlassen, um sich mit der neugegründeten Firma Ozone endgültig auf französischem Boden einzuquartieren.
Auch Dave Pilkington kommt von Airwave. Der Dreißigjährige kümmert sich bei Ozone jetzt unter anderem um die CAD-Programme und ist dem Charme des provenzalischen Dorfes Gréolières genauso erlegen.

Einzig der vierte Ozone-Teilhaber wohnt nicht in Gréolières, aber dennoch in Südfrankreich : John Pendry, 42, Drachenweltmeister 1985 und Gleitschirmweltmeister 1997, bleibt lieber am anderen Ende des französischen Mittelmeerbogens am Fuße der Pyrenäen (GLEITSCHIRM-Leser erinnern sich vielleicht an das Porträt, das wir pünktlich zum WM-Titel im August 1997 veröffentlicht haben). Dafür kommt er immer wieder mal vorbei, um mit seinen Freunden und Geschäftspartnern zu arbeiten ... und zu fliegen.

Thermikblase oder „Nonnenfurz"
Denn der Flugberg von Gréolières hat wirklich interessante Aspekte zu bieten : Er liegt bestens orientiert, um die einströmende Meeresbrise in einen gleichmäßigen Aufwind umzuwandeln. Die Brise kommt zudem fast täglich. Im Gegensatz zu den Flugbergen westlich von Toulon, setzt sich der Mistral aus Nord hier nur seltenst durch. Gleichzeitig ist Gréolières aber bei weitem nicht so frequentiert wie die übrigen südfranzösischen Spots. Grund dafür ist unter anderem die Anfahrt. Hier braucht's einen Allradwagen oder mindestens eine halbe Stunde Beinmuskelschmalz. Rob und die Kumpels starten zwar manchmal auch auf der Wiese direkt über dem Ort und nutzen den kleinsten „Nonnenfurz" als Aufzug (so umschreiben die französischen Piloten etwas respektlos jene zaghaften Thermikbläschen, die allzu schüchtern den Hang hinaufkriechen). Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte aber lieber den Shuttle-Dienst der örtlichen Flugschule in Anspruch nehmen : Wenn Platz ist, wird man für wenige Francs auf die Pritsche des Jeeps verfrachtet. Der rumpelt dann in wenigen Minuten auf einen der Startplätze. Auf dem Weg dorthin knattert das meist überladene Gefährt am alten Gréolières vorbei. Die verfallenen mittelalterlichen Ruinen, einige hundert Meter vom jetzigen Dorf entfernt, stehen schon seit der letzten Pestwelle leer.

Meist reicht der tiefste Startplatz, nur einige hundert Meter oberhalb des Landeplatzes, um in den Aufwind einzusteigen und bis zu den Felswänden oberhalb des Hanges aufzudrehen. Ab da kann der gesamte Kamm bequem abgeflogen werden. Vom Kamm aus gibt es ebenfalls Startmöglichkeiten : Bei schwächeren Bedingungen steigt der Pilot so in den Aufwind der Felswände ein. Allerdings führt die Auffahrt noch etwas mühseliger ganz um den Berg herum.

Landepizza und -pastis
Die geräumige Landewiese direkt unter dem Ort hat nur einen kleinen Haken : Sie liegt nahe am Abbruch in die Schlucht, und dementsprechend kann der Windgradient sehr stark sein. Dafür ist es bis zur Dorfkneipe nicht weit. Vom Landeplatz sind es nur wenige Schritte in die engen Gäßchen von Gréolières. Kaum sind die Schirme eingepackt, schlendern wir schon durch das Dorf. Auch im Inneren hält der Ort, was er von außen verspricht. Alte Natursteinfassaden bieten Schatten, und die schmalen und hohen Fensterläden unterstreichen das mediterrane Flair. In der Pizzeria am Dorfplatz gibt's wahlweise „Pastis" oder kühles Bier und eine ganz besonders gute Pizza : die mit den Figatelli-Würstchen verrät die korsische Herkunft des Küchenchefs. Bei ihm sind die drei Briten Stammgäste. Auf der kleinen Terrasse kann man herrlich den Flugtag ausklingen lassen und die laue Abendstimmung genießen.

Durch die Wolfsschlucht zur Arbeit
Zur Büroarbeit fahren Bruce, Dave und Rob fünfzehn Kilometer die Schlucht hinab. Die offiziellen Firmenräume befinden sich in dem Örtchen Bar-sur-Loup, das am Talausgang auf dem Felsen klebt. Manchmal radelt Dave zur Arbeit : runter geht's von selbst. Ein beneidenswerter Weg zur Maloche. Die Straße folgt den wohlriechenden buschbewachsenen Hängen und sinkt dabei immer tiefer in die „Wolfsschlucht" hinab. Die Gorges du Loup sind eine der vielen Touristenattraktionen der Gegend. Beeindruckende Wasserfälle stürzen sich die kalkigen Felswände hinunter. Bar-sur-Loup selber steht dem Dorf Gréolières auch kaum nach. Um den Kirchturm gruppieren sich ein paar Läden, am Dorfplatz gibt es ein nettes Café, und hie und da weht eine Palme im warmen Wind, der durch die engen Gassen zieht. Eben auch ein kleines südfranzösisches Dorf, wie es im Reiseführer steht.

Gourdon
Vom Büro aus fahren die Briten für Schirmtests oft nach Gourdon. Da ist die Anfahrt schneller. Fünf Minuten Fußmarsch sind es vom Parkplatz zum Start. Dementsprechend beliebt ist der Startplatz bei den einheimischen Piloten. Zusammen mit Lachens und Roquebrune gehört er zu den großen Flugbergen der Region. Der Start liegt etwas näher am Meer als jener von Gréolières. Die Meeresbrise kommt hier unter Garantie an, wird aber leider oft von tiefziehenden Wolken begleitet. Ab Mittag besteht das Risiko, daß die Wattebäusche den Startplatz in Nebel hüllen.

So auch heute. Kaum hat Robbie seinen Schirm aufgezogen und sich mit einem eleganten Schritt in die Luft katapultiert, ist alles nur noch weiß. Schemenhaft sehen wir seinen weißen Ozone-Schirm immer wieder mal aus der Suppe auftauchen. Der dynamische Aufwind erfüllt trotz IFR-Flugbedingungen seine Aufgabe ! Bruce ist längst irgendwo gegen Westen verschwunden. Auf einmal taucht Robbie wieder auf. Nach einer kurzen Zwischenlandung spielt er Denkmal und thront einige Sekunden mit der aufgezogenen Kappe auf dem Felssockel neben der Windfahne, um sich endgültig ins Nichts zu verabschieden.

In Gourdon sollte also in der Regel morgens geflogen werden. Die ersten Thermikblasen des Tages erlauben oft ein angenehmes Abfliegen der Felswände. Später dann, wenn die Brise tiefliegende Wolken bringt, empfiehlt sich der Umzug nach Gréolières. Die beiden Flugberge, nur knappe 20 km voneinander entfernt, ergänzen sich sinnvoll und bilden eine interessante Alternative, wenn zum Beispiel Monaco wegen Badebetriebs geschlossen ist. Und : Gerade der Ort Gréolières hat trotz der relativen Nähe zu Nizza, Grasse und Cannes einen gewissen urwüchsigen Charakter behalten. Im Gegensatz zu einigen anderen provenzalischen Dörfern leidet Gréolières offensichtlich nicht unter touristischer Überbevölkerung. Und schon gar nicht unter der Invasion angelsächsischer Rentner !

Sascha Burkhardt


Fluggebiet Grèolières

Anfahrt nach Gréolières :
Der Ort Gréolières selber liegt an der D2 (nördlich von Grasse). Wer auf der N85 (Route Napoléon) aus dem Norden kommt, muß 15 km hinter Castellane links auf die D2211 abbiegen. Die Straße geht dann in die D2 über und erreicht Gréolières nach 32 Kilometern. Vorsicht, nicht nach Gréolières-les-Neiges fahren. Unterkunftsmöglichkeiten bei Bruce Goldsmith http://perso.wanadoo.fr/bruce.goldsmith/

Start und Landeplätze :
Startplatz 1 : 300 Meter oberhalb von Gréolières in östlicher Richtung. Ausrichtung Süd-Ost.
Auffahrt mit dem Allradwagen der Flugschule, oder aber ein halbstündiger Fußmarsch.
Startplatz 2 : 1.778 m, Ausrichtung Süd-Ost.
Auffahrt über gesperrte Waldwege bei Gréolières-les-Neiges. (Mit Flugschule oder aber mit eigenem Allradwagen und vorheriger Autorisation der Flugschule)
Landeplatz : Gréolières Village (800m)
Große Wiese direkt unterhalb des Ortes (von der Hauptstraße aus sichtbar).
Vorsicht : Der Windgradient kann stark sein.

Weitere Auskünfte, auch auf Deutsch, erteilt die Flugschule Cumulus, Pierre Verrier, Tel. und Fax (+33) (0)493 38 25 92. Pierre freut sich über Gastpiloten und gibt auch gerne Auskünfte zu anderen Flugbergen der Region.

http://www.parapente-fr.com/cumulus/

Fluggebiet Gourdon

Gourdon liegt 15 km südlich von Grèolières an der D 3.

Start L`Embarnier
Ausrichtung Süd-Ost, Höhe 1.150 m
Anfahrt : Vom Ort Gourdon aus die D 12 hinauffahren. Der Landeplatz liegt nach 2 km einige hundert Meter unterhalb der Straße auf 800 Meter Höhe. Vorsicht : Der Platz ist leicht geneigt. Alternative Landeplätze liegen ganz unten im Tal, sind aber unter Umständen wegen Düsen-Effekten bei zu tiefem Anflug nicht erreichbar. Zum Startplatz weiter die D 12 hinauffahren und nach ca. 2 km nach links auf einen Schotterweg abbiegen. Bis zum Parkplatz fahren und fünf Minuten zu Fuß laufen. Es gibt mehrere Startplätze ! Weniger geübte Piloten sollten den Kamm bis zu dem breiten Hauptstartplatz hinauflaufen, der erste Startplatz ist eigentlich für Drachen reserviert.
Gefahren : Nur bei südlichen bis östlichen Winden benutzen. Bei westlichen Winden gefährlich.

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