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Donnerstag 5 September 1996

Bearn und Bären, Basken und Berge
Am Westrand der Pyrenäen : Accous
Teddys oder Tunnel - No Pasaran !

   

"Letzter Bär vor der Autobahn" steht unter der stilisierten Bärenfamilie auf den Aufklebern, mit denen engagierte Ökologen die Ortsschilder des Tals der Aspe aus Protest zugeklebt haben. Zusammen mit dem auf etliche Mauern gesprühten "No Pasaran" erinnern sie jeden Besucher und Durchquerer dieses Tals an einen Kampf, der das Gebiet am westlichen Rand der Pyrenäen weit über Frankreichs Grenzen hinaus bekannt gemacht hat, nämlich den Widerstand der Naturschützer gegen einen Tunnel, der den letzten freilebenden Bären der Region den Garaus machen könnte.

Der Tunnel und die Autobahn

Auch wenn die Bären-Population der Pyrenäen durch die Aussetzung der slowenischen Exemplare des "Ursus arctos" oder "Braunbär der Nordhalbkugel" in den Zentralpyrenäen statistisch gesehen angewachsen ist, sehen doch die Naturschützer den großen Teddys eine schwarze Zukunft vor, seit sich die Baumaschinen gleichzeitig von französischer und spanischer Seite unterhalb des Somport-Passes in den Fels fressen, um die Strassenachse Pau-Saragossa für den Güter- und Fernverkehr attraktiv zu machen. Der Tunnel und die damit fast zwangsläufig entstehende Autobahn verlaufen nämlich durch einen Naturpark, der zumindest bis jetzt so unberührt geblieben war, daß sich die letzten wilden Bären gerade hier angesiedelt haben. Natürlich nicht direkt am Talboden, wo die Straße verläuft, sondern weiter oben in den ausgedehnten Wäldern und Almgebieten - nah genug jedoch, daß ihre Existenz durch ein zusätzliches Verkehrsaufkommen ernsthaft gefährdet erscheint.

Zottelige Faszination

Der abenteuerlustige Besucher, der die Gegend in der Hoffnung auf eine Begegnung mit der zotteligen Faszination durchkämmt , wird wohl meist enttäuscht wieder abreisen : abgesehen von einigen Schäfern bekommen selbst die meisten Einheimischen höchstens mal Tatzenabdrücke im Waldboden zu Gesicht. Immerhin, für die fotografische Jagdausbeute gibt es einige Täler weiter östlich im Kurort St. Lary ein Gehege mit pensionierten Zirkusbären und einer permanenten Ausstellung über Realitäten und Mythen um die früher so gefürchteten Raubtiere. Das Wissen um die Präsenz der Bären gibt dieser urwüchsigen Gegend aber zweifellos einen weiteren Reiz : ob man nun durch große Farnfelder zum Startplatz aufsteigt oder mit dem Schirm über ausgedehnten Mischwäldern schwebt - das aufmerksam suchende Auge entdeckt mehr noch als in anderen Regionen die kleinen und großen Schönheiten der Bergwelt.

Béarn statt Baskenland

Eine Bergwelt, deren (kaum zahlreichen !) Einwohner wohl gerne als "Béarnais" bezeichnet werden, aber keinesfalls mit den Basken gleichgesetzt werden wollen. "Das Baskenland fängt erst hinter dem nächsten Tal an", rufen sie entsetzt aus, wenn man sie fragt, ob Accous schon "baskisch" sei. Um gleich hämisch hinzuzufügen : "Dort, wo es ständig regnet !". Ob die atlantischen Tiefausläufer wirklich so selektiv nieseln, mag dahin gestellt bleiben - Tatsache ist, daß die Meteorologie dieser Region am westlichen Pyrenäenrand vom nicht mal hundert Kilometer entfernten Atlantik stark beeinflußt wird. Der Vorteil : das feuchte und milde Klima bringt ganzjährig recht angenehme Temperaturen mit sich. Auch die meteorologischen Winde geben sich recht friedlich im Vergleich zur bissigen Bise der französischen Alpen und zum gewalttätigen Mistral des Mittelmeerraumes. Der Nachteil : öfters mal verhängen tiefhängende Wolken in feuchter Luft die Sicht, und nachmittags verkomplizieren bisweilen tückisch angereiste Meeresbrisen die lokale Aerologie .

Brisensysteme

Ansonsten entspricht die Aerologie des Aspe-Tals den typischen Verhältnissen der Nordseite der Pyrenäen : während auf den spanischen Südhängen die oft gewalttätige Hammerthermik längere XC-Flüge ermöglicht, sorgen die Brisen in den von Norden nach Süden ansteigenden Tälern der französischen Seite für recht gleichmäßige dynamische Aufwinde und oft sanfte Thermiken. Abgesehen von einigen glücklichen Gelegenheiten, die einen Überflug des Somport-Passes bis auf die spanische Seite erlauben, bleiben die Streckenflugmöglichkeiten also begrenzt, nicht aber unbedeutend : die Umrundung der Talebene von Accous zum Beispiel, unter geschickter Ausnutzung der Mischung aus Brise und versetzter Thermik, stellt einen technischen Leckerbissen da. Für Übungs- und Genußflüge ist das Fluggebiet sowieso bestens geeignet : sobald die Brise einsetzt und gegen die Einschnürung des Tals oberhalb von Accous strömt, sorgt der kräftige Hangaufwind für stundenlange Spazierflüge oberhalb einer recht wilden Pyrenäenlandschaft - Hoffnung auf Bärensichtung zumindest bis jetzt noch inbegriffen !

SB

Startplätze :

1) Bergout Delta 1220m ü.M. Süd bis Nordwest GPS (+-100m) : N 42°58.776' W 0° 34.313' Der klassische Startplatz oberhalb von Accous. Sanfte Fangleinen- und nervenschonende Graskuppe mit progressiv steiler werdenden Anlaufstrecke. Anfahrt : Vom Landeplatz aus den kreuzgeschmückten Hügel auf der kleinen Straße nördlich umfahren und dem Weg folgen (ca. 20 min). Bitte vorher den Startplatz vom Landeplatz aus anvisieren, um sich nicht zu verfahren.. An der großen Tränke auf dem Kamm das Auto stehen lassen und eine Viertelstunde in westlicher Richtung auf den Gipfel der Kuppe marschieren. Landung am Hauptlandeplatz.

2) Bergout "500" 1220m ü.M. Süd Etwas von der Brise geschützer Startplatz östlich von "Bergout Delta". Dieser Start wird häufig von der Schule benutzt, wenn die Brise zu stark wird : die Landung erfolgt 500m tiefer in dem etwas geschützteren Seitental. Dennoch kann die Aerologie hier gerade durch die eingekesselte Lage unter bestimmten Vorraussetzungen sehr turbulent werden. Anfahrt : von der Tränke einige hundert Meter in östlicher Richtung weiterfahren, dann die kleine Böschung hochlaufen. Landung in "Alouet"

Landeplätze : 1) Hauptlandeplatz am Dorfrand : Riesiges Feld zwischen den Maisfeldern. 440m ü.M. GPS (+-100m) N 42° 58.631' W 0° 36.005' Direkt an der Straße am nördlichen Dorfrand. 2) "Alouet" 700m ü.M. Anfahrt vom Hauptlandeplatz aus in Richtung Start, dann allerdings dem Weg auf der Südseite des Flugberges folgen.

Die Navette des örtlichen Clubs verkehrt bedarfsabhängig.

Zu beachten : Die Brisen können in Accous schnell recht stark werden : die Landeanflüge werden dann sehr turbulent, und so mancher Pilot hat schon seinen Flug in den Maisfeldern im Lee des Landeplatzes beendet, weil er die Stärke der Talbrise falsch eingeschätzt hat. Extreme Vorsicht vor Südwinden und Föhntendenzen für den gesamten Flugberg ! Zu bestimmten Zeiten im Herbst Flugverbot wegen der Jagd : bitte unbedingt die örtliche Schule kontaktieren !

Anfahrt : Genf-Lyon-Montpellier-Toulouse-Tarbes-Pau - Oloron Ste. Marie - Accous. Genf-Accous : 950 km.

Örtliche Schulen : Abélio, F-64490 Etsaut, Tel. (00 33) [5] 59 34 87 53 Ascendance, F-64490 Accous, Tel. (00 33) [5] 59 34 52 07

Bärengehege und Ausstellung : Maison de l'ours, F-65170 Saint Lary Soulan, Tel (00 33) [5] 62 39 50 83 (150 Straßenkilometer von Accous entfernt in den Zentralpyrenäen südlich von Lourdes) Weitere Ausflüge in der Nähe : Das grüne Baskenland mit seinen seltsamen blümchenhaften Straßenschildern besuchen, dann nach Biarritz fahren (140 km) und im französischen Mekka der Wellenreiter mit den Brechern kämpfen. Von hier aus eventuell sogar weitere 150 km nördlich bis zur Dune de Pyla hinauffahren und dort für ein zugegeben einmaliges Soaring an der sagenumwobenen Düne die Schirmnähte unwiderruflich mit Sand vollstopfen. Alternative : einen alten Neunzeller ins Urlaubsgepäck stecken !

Alle Angaben ohne Gewähr.

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