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Gleitschirmflieger



Samstag 5 Januar 2002

Frankreich
Mieussy : Geburtsort des Gleitschirms
Wo alles begann...

   

"Als ich 1983 hier in Mieussy das Gleitschirmfliegen lernen wollte, gab es noch eine Warteliste von zwei Jahren", erklärt Fred lächelnd. Fred ist seit 1993 stolzer Inhaber der Schule "Les Choucas", erste Gleitschirmflugschule der Welt auf dem ersten... Gleitschirmflugberg der Welt ! GLEITSCHIRM ist in Heft 5/1996 zum Geburtsort unseres Sportes gepilgert.

Nachdem die drei Musketiere Bosson, Bétemps und Bohn hier im Juni 1978 vom Pertuiset mit ihren Neunzellern glücklich und heil dem Boden von Mieussy entgegen gerast waren und damit den Gleitschirm ins Leben gerufen hatten, strömten schnell Neugierige und Lernwillige aus aller Herren Länder in dieses unscheinbare Tal zwischen Genf und Chamonix, um ebenfalls in die Geheimnisse des "Parachute de Pente " eingeweiht zu werden.

Verständlich, daß die neugegründetete Schule der "Choucas", als damals einzige Gleitschirm-Schule der Welt, schnell Überbuchung melden mußte ! Verständlich auch, daß Mieussy rasch zum Wallflugsort der internationalen Gleitschirm-Szene wurde : der Gemeinderat zögerte zumindest nicht, stolz Schilder mit der Aufschrift "Mieussy - Welthauptstadt des Parapente" an den Ortseingang zu nageln.

Wer heutzutage mit seinem 99-zelligen Boliden auf den geschichtsträchtigen Grashalmen des Pertuiset starten möchte, braucht dafür zwar keine zwei Jahre zu warten, sollte sich aber dennoch vor allem in der Hauptsaison mit etwas Geduld wappen. Denn auch wenn die individuelle Benutzung des Flugberges, wie überall in Frankreich, kostenlos und jederzeit frei ist, kann der Andrang am Startplatz und auch im Landeanflug oft recht hinderlich werden. "Als Geländeinhaber könnten wir den individuellen Zugang zum Flugberg einschränken oder kostenpflichtig machen", meint Fred. "Tun wir aber nicht. Nur Gruppen und Flugschulen müssen sich bei uns anmelden. Und wenn der Berg dann wirklich voll ist, müssen wir die dann leider woanders hinschicken."

An dieser temporären und saisonal bedingten Überbevölkerung tragen nicht nur die geschichtlich besessenen Parapente-Puristen schuld, die wenigstens einmal im Leben ihre Tücher im historischen Windschatten der bärtigen Urväter aufblähen wollen, sondern auch all jene Piloten, die erkannt haben, daß Mieussy auch jenseits jeder Nostalgik einen recht interessanten Flugberg bietet ! Nicht nur, daß der "Genau-1000-Meter-Höhenunterschied"-Flug mit seine kleinen Seitentälern und Felsvorsprüngen, Berghütten und Almwiesen landschaftlich sehr reizvoll ist, vor allem östlich des Starplatzes - auch für den Liebhaber der kleineren und größeren Strecken gibt's hier zu tun : Nach einer Startüberhöhung von ca. 300m kann man sich zum Beispiel an die Pointe de Perret hangeln, um dann zur Pointe de Marcelly zu transitieren. Von dort aus kommt man normalerweise unproblematisch zum Landeplatz. Etwas "technischer" ist ein Weiterflug Richtung Samoëns - dort findet man zwar massig Landeplätze, aber ein etwaiger Rückflug nach Mieussy gestaltet sich recht schwer.Auch nach Norden hin gibt es interessante Möglichkeiten, die Fred jedem Interessierten mit Vergnügen verrät.

Sei es nun für einen Gleitflug in der sommerlichen Abenddämmerung oder einen Dreiecksrekord in der frühjährlichen Mittagshitze : Wer auch immer seinen Schirm auf den Hängen des Pertuiset ausbreitet, sollte vielleicht einen kurzen Gedanken den Pionieren opfern und sich in sie hineinversetzen - was haben die Gleitschirm-Erfinder wohl gefühlt und gedacht ? Die Antwort ist einfach : während Helfer und/oder Wascheklammern die Eintrittsöffnungen der labberigen Stoff-Fetzen krampfhaft aufhielten, galten die Sorgen der modernen und mutigen Dädalen vor allem einer Frage : "Reicht's nur bis zur Kapelle, oder schaffe ich's bis nach Mieussy ?"

Sascha Burkhardt

Startplätze : Auffahrt nach Roche Palud mit dem Auto oder mit der Navette, die zwischen April und Oktober in der Regel täglich ab dem Clubhaus der Choucas verkehrt, sobald 4 Fahrgäste ihr Ticket gelöst haben. Von dort aus 15 min Marsch zum Startplatz.

S1 :Le Pertuiset 1640m ü.M. Richtung : Südost - Nordwest Unter normalen Bedingungen einfacher Startplatz in viele Richtungen. S2 :Roche Palud ca.1600m ü.M. Richtung West Startplatz direkt oberhalb des Parkplatzes, allerdings geübten ortskundigen Piloten vorbehalten. Befindet sich oft im Abwind- und Turbulenzbereich der Thermiken, Gefahr durch Skiliftkabel.

Landeplätze : L1 : Neben Clubhaus, 640m ü.M., direkt an der Landstraße Mieussy - Taninges und neben des Fußballfeldes. L2 : Riesiges( !) Feld, 600m ü.M., unterhalb des Ortes und neben des Flusses.

Beide Landeplätze sollten "gleichberechtigt und ausgewogen" benutzt werden, um "Engpässe" im Landeanflug zu vermeiden. S1 ist kleiner, dafür aber direkt am Clubhaus und der dazugehörigen Navette gelegen ! Beim Anflug auf S1 bitte keine "Achter" fliegen, sondern einen schönen "U-Anflug hinlegen", um die Einflugschneise freizuhalten. Beide Landeplätze werden bei stärkerem Wind recht turbulent. Bitte vor dem Flug Informationen über die lokale Reglementierung einholen.

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