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Donnerstag 31 Januar 2002


Thermikfliegen für Fortgeschrittene (1)


   

Thermik -Salz in der Suppe des motorlosen Fliegens, die Krönung auch für den Gleitschirmflieger und unbedingte Notwendigkeit für den Einstieg in den Traum namens "Streckenfliegen". "Thermikfliegen für Fortgeschrittene" wendet sich mit einleitenden Grundlagen und tiefergreifenden Erkenntnissen an Piloten aller Könnensstufen - das Thema ist tatsächlich unerschöpflich. Im ersten Teil befassen wir uns mit dem Themenschwerpunkt "Thermik am Hang".

Thermisch bedingte Hangwinde
Thermik entsteht nicht durch Aufheizung der Luft, sondern durch Erwärmung des Bodens. Der Boden wiederum erwärmt die darüberliegende Luft. Das bedeutet, daß am Hang diese wärmere Luft, die ja leichter ist als kalte Luft, bei wenigen Grad Temperaturanstieg anfängt, den Hang hinauf zu strömen. Deshalb kommt am Startplatz generell der Wind häufig von vorne, auch wenn der überregionale Wind aus einer anderen Richtung weht. Abends dreht sich dieses lokale Windsystem um, der Hang kühlt im Schatten ab, die darüberliegende Luft fließt den Berg hinunter. Sozusagen eine Art Mischform entsteht gerne im Frühjahr. Das Tal ist schneefrei, während auf den Startplätzen noch Schnee liegt. Über diese Schneeflächen fließt kalte Luft den Berg hinunter. Am Startplatz herrscht oft - obwohl er im Luv liegt - Rückenwind. Die Thermik reißt nun nicht - wie üblich - am höchsten Punkt des Berges ab, sondern an der Schneegrenze. Chancen zum Starten gibt es, wenn die Thermik einmal "Pause macht", oder sich der überregionale Wind kurzfristig durchsetzt.

Dynamische Hangaufwinde, Soaring und eingelagerte Thermik
Die Flugregeln und die Flugpraxis spricht vom "Achtern" am Hang und Eindrehen über dem Berg. Wie erkennt man aber eingelagerte Thermik im dynamischen Hangaufwind ? Im dynamischen Hangaufwind fliegt man am besten sehr nahe am Hang (20-50 m Abstand). Wenn man sich weiter vom Hang entfernt, wird das Steigen üblicherweise schlechter. Wenn man auf eingelagerte Thermik trifft, wird das Steigen stärker, und das auch noch weiter vom Hang entfernt. In diesen Bereichen sollte man sich natürlich möglichst lange aufhalten. Wenn also das Piepsen des Varios stärker wird, kann man es riskieren, sich etwas vom Hang zu entfernen - wenn das Steigen nicht nachläßt, kann man von eingelagerter Thermik ausgehen (sensible Gemüter können manchmal auch die wärmere Luft spüren). Am sichersten ist es, auch in diesem Fall zu Achtern, aber in möglichst kurzen Schleifen, damit man im besten Steigen bleibt. Die Gefahr beim Kreisen vor dem Berg besteht für den ungeübten Piloten darin, seine Kreise nicht richtig einschätzen zu können und mit Rückenwind gegen den Berg zu prallen. An steilen Hängen kann man aber schon bei wenig Wind soaren (weniger Gefahr beim Eindrehen in den Wind). Stößt man in einem solchen Fall auf eingelagerte Thermik, kann man den Thermikdurchmesser durch Entfernen vom Hang erfliegen. Ist man etwa 70 m vom Hang entfernt, und das Steigen hält noch an, kann man vom Achtern zum Kreisen gegen den Hang übergehen, man kommt so wesentlich schneller hoch. Wenig geübte Piloten sollten davon allerdings absehen, wenn sie noch nicht genau abschätzen können, wieviel Platz sie (bei Windversatz) für einen Kreis brauchen. Wer das erstmals versuchen möchte, sollte also unbedingt mehr Platz einberechnen, bei starkem Wind verzichtet man auf das Kreisen generell, denn dann soart man auch in Achterschleifen schnell nach oben.

Vektorzerlegung des Windes am Hang
Wind ist eine gerichtete Größe, und diese kann man in eine Aufwindkomponente, mit der man steigt, und in eine Horizontalkomponente, die man als Gegenwind spürt, zerlegen. Gefährlich kann es werden, weil der Wind üblicherweise mit der Höhe zunimmt, und zudem oft eine Inversion oberhalb des Berges einen ausgeprägten Düseneffekt zwischen Berggipfel und Inversion bilden kann. Am steilen Hang wirkt sich ein Wind mit 30 km/h insofern aus, daß er 25 km/h in eine Aufwindkomponente umsetzt, und nur mit 17 km/h horizontal weht - man kommt also recht gut vorwärts. Über dem Berg wird die Aufwindkomponente kleiner (8 km/h) wobei die Horizontalkomponente hingegen zunimmt (29 km/h). Fliegt man direkt über oder sogar hinter der Bergspitze, spürt man plötzlich den gesamten Wind als Gegenwind und fliegt schneller rückwärts ins Lee als man sich vorstellen kann. Zudem befindet sich das beste Steigen normalerweise leicht vor dem Berg. Wieviel Wind reicht zum Soaren ? Im spanischen Val de Abdalajis liegt der Startplatz direkt oberhalb einer senkrechten Felswand, die Höhendifferenz beträgt nur 250 Höhenmeter. Die meisten Piloten würden bei einem lauen Lüftchen nicht starten (man ist ja gleich unten !), aber bereits 5 km/h Wind erzeugt an der senkrechten Wand 5 km/h Aufwind ! Das sind 1,4 m/s, und das reicht bei den meisten modernen Gleitschirmen, um langsam aber sicher Höhe zu machen. Je flacher der Hang ist, desto stärker muß der Wind zum Höhengewinn sein ! Eindrehen bei stärkerem Höhenwind über dem Berg Die Thermik steigt am Hang entlang nach oben und wird über dem Berg ins Lee versetzt. Hier gilt es, zwischen starken und schwachen Thermikblasen zu unterscheiden. Schwache Blasen versetzen sehr stark und werden vom Wind auch leicht zerrissen. Wenn man nicht sauber zentriert, hat man keine Chance und wird ins Lee versetzt. Es gibt aber auch stärkere Blasen, die entstehen, wenn die Luft am Boden Zeit hatte, sich stärker zu erwärmen. Starke Blasen steigen schneller hoch und werden durch den Wind nicht so stark versetzt.

Lee ist nicht gleich Lee
Bei stabilen Wetterlagen nimmt die Temperatur mit der Höhe fast nicht ab. Die herbstlichen Hochdrucklagen sind ein klassisches Beispiel. Es liegt ein Temperaturgradient von 0,1 Grad Temperaturabnahme/100 m vor. Bei einem Luftpaket, das durch den Wind am Berg hochgedrückt wird, nimmt die Temperatur trockenadiabatisch um 1 °C/100 m ab. Am 1.000 m hohen Berggipfel angekommen, ist das Luftpaket um 10 °C kälter als die Umgebungsluft. Diese kalte Luft ist sehr schwer und stürzt auf der anderen Bergseite im Lee zu Boden und verursacht extremste Turbulenzen - selbst Könner haben hier nichts verloren. In labiler Luft nimmt die Temperatur der Umgebungsluft mit der Höhe stark ab. Das in diesem Fall hochsteigende Luftpaket ist bei gleicher adiabatischer Temperaturabnahme am Berggipfel um nur 1° C kälter als die Umgebungsluft. Die Luft sinkt im Lee - aber weit geringer. Die Turbulenzen sind moderater. Könner können - aktiver Flugstil vorausgesetzt - durchaus fliegen, wie z.B. einmal bei einem Ligadurchgang in Greifenburg/Österreich. Starker Nordwind in der Höhe erlaubte - bei labilen Bedingungen - an den Südhängen des markanten Ost-/Westtales trotzdem gute - wenn auch turbulente - Flugbedingungen.

Konvergenzen
Stoßen zwei Winde aufeinander, wird die Luft nach oben geleitet - fliegbarer Aufwind entsteht, oft charakterisiert durch Wolken in der Talmitte oder an Stellen wo man sie nicht vermuten würde. Wolken bilden auch ein Hindernis gegen den Wind, man kann eventuell auf der Luvseite hochsoaren.

Burkhard Martens

(Der Autor ist langjähriger Ligapilot, hat Deutsche Rekorde und einen Weltrekord erflogen)

 

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Insgesamt liegen 1 Kommentare zu diesem Thema vor.

> Thermikfliegen für Fortgeschrittene (1)
15 Juli 2003, von Ulrich Klakow  

Ich bin am 7.7.2003 in Micheldorf in Ober-Österreich geflogen. Der Startplatz ist auf etwa 1000m Höhe in einer Waldschneiße mit ca. 25° Neigung gegen West. Bin etwa um 18 :00 Uhr bei ca. 15-20km/h gestartet (rückwährt aufgezogen). Hier habe ich noch einen anderen guten Termikanzeiger kennengelernt. Immer wenn sich die Bäume des Waldes unter mir bewegt haben ging es auch gut (für diese Uhrzeit) aufwährts. Es war auch an der breite der bewegten Windscheise gut zu sehen wie breit der Termikbereich sein würde. Das einzige Problem war das ich in 300m Höhe über dem Wald die Bewegung nicht mehr gut genug sehen konnte. Diesen Effekt habe ich am nächsten Tag in Hinterstoder auf einem anderen Gelände auch deutlich gesehen und ausgenutzt, hat viel Spass gemacht.

Viel Spass beim Fliegen und immer eine gesegnet Landung wünsche ich euch,

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