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Montag 11 Februar 2002

Kite-Kurs beim Gleitschirm-Guru John Pendry
Kitesurfen - wenn Gleitschirme surfen...
...und Surfer fliegen

   

Kitesurfen : ein neuer Trendsport macht sich breit. Mit einfachen Mitteln "voller Fun" : man braucht dazu nur einen Lenkdrachen (oder "Kite"), eine gute Mütze Wind, ein Surfbrett (oder "Kiteboard"), und schon jagt der Fahrer im Affenzahn über den See oder das Meer. Mit den früheren Lenkdrachen haben die Kites nur noch wenig gemein : heute sehen sie eher wie Gleitschirme im Mini-Format aus. Das ist kein Zufall : viele Gleitschirm-Hersteller wie Advance, Windtech, Perché drängen in den erwachenden Markt, und bekannte Piloten wie Kari Eisenhut oder Armin Harich verschreiben sich dem neuen Sport. In Heft 7/2001 hat GLEITSCHIRM sich für Sie in der Szene umgesehen und einen Anfängerkurs besucht - in der Kiteboard-Schule des Gleitschirm-Weltmeisters John Pendry !

Sie können diesen Artikel hier im Textformat lesen oder aber die Heftseiten mit Grafiken und Fotos im PDF-Format zur Nutzung mit Acrobat Reader laden : Kitesurfen(PDF-Format)

Hochsprung oder Tiefflug ?
Der neue Sport zieht nicht nur Gleitschirm-Piloten vom Himmel : etliche Windsurfer steigen um und tauschen ihre Surfsegel gegen die himmlischen Zugkräfte eines Kites. Denn das Ganze ist nicht nur einfacher aufzubauen, sonder bringt auch mehr "Fun" : für geübte Fahrer ist das Springen sehr viel einfacher als mit dem Windsurfer. Die Sprünge sind höher, weiter, spektakulärer. Kunststück : schließlich hängt der Fahrer unter einem echten Fluggerät ! Und die Gleitschirmflieger, die bei Starkwind ihren Schirm gegen einen Kite vertauschen, genießen echtes Flugfeeling ! Die Franzosen, die diesem Sport an ihren Starkwind-Spots im Mittelmeer entscheidende Impulse gegeben haben, nennen sich übrigens auch "Flysurfer" und nicht "Kitesurfer". Einer der bekanntesten "Spots" zum Kiten liegt in ebenfalls in Frankreich : die Gegend um das südfranzösische Leucate und das kleinen Örtchen La Franqui bieten regelmäßig Starkwind- wenn der Nordwestwind "Tramontane" pfeift, jagen die Flysurfer unter strahlender Sonne über die spiegelglatte Lagune, heben ab, fliegen in atemberaubenden Höhen. Und genau an diesem "Spot", der zwischenzeitlich zu einem internationalen Mekka der Kiter geworden ist, hat der Gleitschirm-Weltmeister John Pendry seine Kiteschule eröffnet.

Am flachen Übungshang
Wie bei einem Gleitschirmkurs wird auch das Kitesurfen progressiv angegangen : Am ersten Tag ist Übungshang angesagt. Nur ist der "Übungshang" ein riesiger, flacher Strand. Der Sand ist hier in La Franqui so fest, dass man sogar problemlos mit dem Auto darauf fahren kann. Oder sich mit dem "Buggy"-Dreirad vom Kite ziehen lassen kann. Ins Wasser geht es heute auf jeden Fall noch nicht. Wir sollen erst mal lernen, wie man mit so einem Lenkdrachen richtig umgeht. Für die ersten Versuche drückt uns der Kitelehrer Cédric einen Nasa Parawing in die Arme : diese Einfach-Version eines Kite basiert auf Plänen des Ur-Rogallo und besteht nur aus einem Obersegel. Luftkammern gibt es keine, die Fläche schwankt je nach Modell zwischen einem und sieben Quadratmetern. Wir haben eine kleine Version in den Händen : für den Anfang sind drei Quadratmeter bei diesem Wind voll ausreichend. An der Kappe sind eine Handvoll Fangleinen angelenkt, die in zwei Punkten zusammengeführt werden. Fast wie zwei Tragegurte beim Gleitschirm, nur mit dem Unterschied, dass diese durch zwei lange Leinen ersetzt werden, die in Haltegriffen enden. Ein Kite mit zwei Steuerleinen wird also genauso gelenkt wie ein Gleitschirm, den man bei Bodenübungen ohne Sitzgurt nur über die Einhängeschlaufen der Tragegurte steuert. So etwas wie "Bremsen" gibt es nur bei den etwas komplizierteren Vierleinern. An diesen wird aber über die Leinen eher der Einstellwinkel verändert. Ob am Rogallo oder an der gleitschirmähnlichen "Matte" : Für den Anfang sollen uns zwei Leinen reichen , die in Haltegriffen enden oder an einer Lenkstange befestigt sind. Ein kleiner Ruck daran genügt : der Drachen steigt. Fast wie in Kindertagen, nur ist die Zugkraft selbst schon mit diesem Rogallo-Einfachmodell deutlich höher.

Wir gehen Fensterln
Und vor allem : der Schirm kann gelenkt werden. Ein leichter Zug rechts, und die Kappe schwenkt nach rechts, bis sie den Rand des "Fensters" erreicht hat. Ein leichter Zug nach links, der Kite beschleunigt, schießt quer durchs Fenster nach links und bleibt dann dort „hängen“. Das „Fenster“ ist der Bereich, in dem der Schirm ohne einzuklappen oder zu stallen im „Himmel kleben“ bleibt. Je nach Kite kann die Kappe bis zu 80 Grad links oder rechts vom Piloten stehen. Auch überm ihm kann sich der Schirm fast senkrecht immobilisieren. Der Kite entwickelt dann nur noch einen ganz leichten Zug nach oben. Genau wie ein Gleitschirm beim Rückwärtsstart im stärkeren Wind : während die Kappe steigt und senkrecht zum Wind steht, entwickelt sie hohe Kräfte und reißt den Piloten zu sich. Wenn sie dann mal überm Kopf angekommen ist, sind diese Kräfte fast ganz verschwunden, und der Schirm ist leichter zu beherrschen. Diese Tatsache macht man sich zu Nutze, um die die Power des Kite zu dosieren : wenn der Fahrer Gas wegnehmen will, steuert er den Schirm an den linken, rechten oder oberen Rand des Fensters. Umgekehrt, wenn der Pilot mehr Kraft benötigt, lenkt er die Kappe mitten ins Fenster : in der „Powerzone“ sind die Zugkräfte sind dann um ein Vielfaches größer. Und wenn der Dampf da immer noch nicht reicht, zum Beispiel weil der Kitesurfer noch nicht genug Fahrt hat und mit seinem kleinen Brett fast absäuft, gibt es einen weiteren Trick : man lässt den Kite schnelle Achterkurven mitten durchs Fenster fliegen. Dabei beschleunigt die Kappe, und die erhöhte Strömungs-Geschwindigkeit bringt zusätzlichen Auftrieb und Vortrieb mit sich.

Rider, Räder, Rutschen
Genau die „Achter“ üben wir auf dem Trockenen unterm strengen Auge von Cédric und John. Ein angenehmes Gefühl stellt sich ein : fast wie Wing-Over. Jedesmal, wenn der Schirm beschleunigt, zieht er die Arme lang, wartet nur darauf, uns über den Strand zu schleifen. Es folgt gleich die nächste Übung : wir wollen genau diese Kräfte nutzen, um uns im Buggy über den Strand ziehen zu lassen. Schon lange vor der Erfindung des „Flysurfs“ haben sich Lenkdrachenfans mit Buggys ziehen lassen. Eine lustige Sache : mit den Armen wird der Kite gesteuert, mit den Füssen das Bugrad des Buggys. Es ist sogar möglich, schräg gegen den Wind Höhe zu laufen. Nachteil : so ein Dreirad läuft natürlich nur auf relativ flachen und ebenen Flächen. Sehr viel spannender finden wir da die anderen Einsatzmöglichkeiten eines Kites : der „Rider“ kann sich nicht nur auf einem Surfbrett übers Wasser ziehen lassen, sondern auch auf Snowboard oder Ski durch verschneite winterliche Landschaften. Klingt ziemlich vielversprechend für einen interessanten Ausgleich an fluglosen Starkwindtagen !

Kappen-Garderobe
Doch das Ganze hat natürlich Grenzen. Wenn der Wind zu stark wird, werden die Kappen nervös, hebeln den Piloten ungewollt in die Luft, werden sogar gefährlich. Der Kite-Pilot, der möglichst viele verschieden Windstärken abdecken will, hat im Gegensatz zum Gleitschirm-Pilot auch nicht nur einen Schirm, sondern gleich mehrere. Für das Wasser zum Beispiel eine kleine Kappe zwischen 3-5m2, eine andere mit 5-8 m2 und einen großen Schirm mit 8-13 m2, wenn nicht sogar noch größer. Für die Nutzung an Land besitzt er dann eventuell noch mal drei andere Schirme, die allerdings kleiner sind als jene fürs Wasser. Zum Glück kostet ein Kite nur knapp ein Drittel eines Gleitschirms... Die Zugkraft hängt natürlich nicht nur von der Fläche , sondern auch im großen Maße von der Bauweise der Kappe ab. Eine einfache Rogallokappe liefert nicht die selben Zugkräfte wie moderne Gleitschirm-Kites. Deren ausgeklügelten Profile entwickeln ungeahnte Kräfte, vor allem nach Beschleunigungen. Und sie lassen sich mit „dem kleinen Finger“ steuern : auf geringe Steuerbewegungen sprechen sie rasch an. Natürlich gibt es auch in diesem Bereich Unterschiede zwischen verschieden gestreckten Schirmen, und auch beim Kiten gehört eine stark gestreckte Kappe nur in die Hände von geübten Piloten. Anfänger können vom nervöseren Verhalten überfordert werden. Zwischen den einfachen Rogallos und den „Matten“ genannten Gleitschirm-Kites gibt es noch einen weiteren Entwicklungsschritt : Tubekites. Einfache Oberflächen, die von aufblasbaren Kunststoff-Wülsten in Profilform gebracht werden. Diese Kites bringen zwar nur circa ein Drittel der Leistung einer echten Gleitschirm-“Matte“ gleicher Größe, bleiben aber für die Nutzung auf dem Wasser unheimlich beliebt. Viele Hersteller kommen sogar teilweise von den „Matten“ zu den Tubekites zurück oder experimentieren mit „Hybriden“. Grund : wenn ein Tubekite ins Wasser fällt, ist er auch nach einem längeren Bad wieder zu starten, eine vollgesogene Matte dagegen aber nicht.

Endlich Wasser
Genau den Wasserstart üben wir am nächsten Tag. Jetzt geht der Spaß erst richtig los : endlich dürfen wir in der Lagune bei La Franqui planschen. Cédric bläst die Luftkammern der „Wipika“-Tubes mit einer Handpumpe auf. Danach sind die Dinger schwimmsicher. Das Übungsgelände ist ideal : über Hunderte von Metern reicht das Wasser nur bis höchstens zur Brust. Für Kite-Beginner ist das ganz wichtig. Denn die ersten Übungsstunden im Wasser finden ohne Brett statt, und schwimmend ohne festen Grund unter den Füssen hielte es kein Schüler lange aus.

Ziel der ersten Übungen : es geht darum, einen Kite wieder zu starten, der im Wasser liegt. Mit Tubekites ist das zum Glück nicht allzu schwierig : durch geschicktes Ziehen und Zupfen an beiden Leinen bringt man die Kappe dazu, auf dem Rücken im Wasser zu liegen „ wie ein Gleitschirm vorm Start. Durch gezielten Zug an einer Leine bringt man den Kite danach so in den Wind, das er wieder von selbst durchstartet. Wenn die Kappe schließlich hoch über ihrem Gebieter stabilisiert ist, sind die zwei Leinen meist ein paar Mal ineinander vertwistet : der Pilot dreht sich dann ganz einfach um die eigene Achse, bis die Strippen wieder frei sind. Einige Übungs-Kurven am linken Fensterrand, danach am rechten, und dann... geht die Post in der Fenstermitte ab. Wir beschleunigen die Kappen in immer schnelleren Achtern, und nach einigen solcher „Wings“ reißt uns der Kite aus dem Wasser. Wir fliegen ! Nur ein paar Meter hoch, mehrere Meter weit, aber doch ein herrliches Gefühl, knapp über der Wasseroberfläche durch die Luft zu sausen.

Und vor allem : so neu dieses Spiel auch ist, so vertraut sind doch die Kräfte. Wer öfters mit dem Gleitschirm in stärkerem Wind trainiert, kennt sie. Nur : hier im Wasser ist alles garantiert Genuss ohne Reue. Eine starke Böe hebelt den Piloten vollkommen aus, reißt ihn durch die Luft“ Kein Problem, die Landung ist weich. Nur eins ist uns strengstens verboten : bei solchen Spielchen das Trapez eingehängt zu lassen. Denn durch hydrodynamische Tücken könnte der Pilot vom nach oben ziehenden Kite paradoxerweise unter Wasser gezogen werden ! Wer dagegen nicht eingehängt ist, kann einfach die Lenkstange loslassen : er ist nur noch mittels der“ Leash“ mit dem Kite verbunden. Die Leash reißt dann eine Klettsicherung durch und nimmt dem Schirm seine Kraft. Unser Lehrer Cédric tauscht die Wipika-Tubekites gegen Matten von Windtech aus : jetzt lernen wir endlich die „richtigen“ surfenden Gleitschirme kennen. Cédric kommt ebenfalls aus der „wirklich fliegenden“ Zunft : vor seinem Job als Kitelehrer arbeitete er acht Jahre lang als Gleitschirmausbilder. „Auch ich habe zu Anfang immer lieber mit Matten gekitet“, gesteht er. „Für mich gab“s nur Matten- schließlich entsprechen die am ehesten unseren Flug-Schirmen. Und auch jetzt macht mir so ein Ding bei guten Verhältnissen mehr Spaß. Aber bei Seegang oder in kniffeligen Situationen ist ein Tubekite besser“, versucht er unseren Enthusiasmus für die „echten“ Kappen zu bremsen.

Ein Grund dafür : ein Gleitschirm, der voller Wasser ist, kann nicht mehr gestartet werden. Mattenschirme fürs Wasser nutzen deswegen verschiedene Methoden, um durch ihre kleinen Eintrittsöffnungen nur die Luft, aber kein Wasser einzulassen. Der Schirm wird vorm Wassern an Land in den Wind gehalten und dabei etwas vorgefüllt. Auch in der Luft kann der Winddruck die Ventile öffnen : meist bestehen diese aus Stofftrichtern, die von innen gegen die Gaze der Eintrittsöffnungen gedrückt werden. Das Wasser strömt dann nicht in den Kite, wenn jener baden geht und schlapp auf der Oberfläche treibt. Der deutsche Hersteller „Windtools“ baut in seine Kappen sogar Eintrittskanäle aus Kunststoff ein, die nicht nur wie abgeschnittene Präservative aussehen, sondern auch hochoffiziell „Condom Air Protect“ heißen. In der Regel funktionieren die meisten Systeme auch ganz gut, solange man den Schirm nicht allzu lang im Wasser liegen lässt. Und ein trockener Mattenkite startet oft sogar besser als ein Tubekite. Falls die Kappe mit der Austrittskante im Wasser liegt, genügt oft ein Zug an den Leinen, und der Schirm steigt fast von selbst. Liegt er verkehrt herum, gibt es je nach Modell verschiedene Techniken. Der „Trainer“ von „Windtech“ macht es dem geübten Gleitschirmflieger einfach : dieser spanische Schirm ist mit einer Art Bremsleine ausgestattet, die vom Piloten weg bis an die Austrittskante führt. Sie dient vor allem als Notbremse, wenn der Pilot überfordert sein sollte, und ist mit der Leash an dessen Handgelenk verbunden. Für den Start erweist sie sich als ungemein praktisch : ein leichter Zug genügt, und die Kappe steigt schräg rückwärts aus dem Wasser, wird wieder steuerbar und kann nach einer Drehung endgültig durchgestartet werden. Ganz wie ein Gleitschirm, der im starken Wind auf die Eintrittskante gefallen ist und den der Pilot durch Ziehen einer Bremsleine wieder dreht. Schön, so vertraute Gesten wieder zu finden !

Jetzt kommt richtig „Fun“ auf : beim „Body-Drag“ lassen wir uns auf dem Bauch vom Schirm quer über die Lagune ziehen. Das Wasser rauscht unterm Körper durch, nach einer starken Böe heißt es sogar : „Take-Off“, sekundenlanges Schweben in der Luft, gefolgt von einem sanften „Happy Landing“ auf dem Bauch. Der Schirm reagiert auf kleinste Steuerbewegungen, jagt auf „Fingerzeig“ quer durch die Powerzone, stellt sich an den Rand des Fensters und wartet auf neue Anweisungen. Jeder Durchgang durch die Fenstermitte ist wie eine Mega-Thermikblase : mit einem gewaltigen Ruck zieht der Schirm nach oben. Wenn der Pilot den Kite danach am Fensterrand stabilisiert, kehrt wieder sanfte Ruhe ein. Ein herrliches Spiel mit den Kräften des Windes ! Am äußersten Rand des Fensters können übrigens manche Schirme sogar einklappen, ganz wie ein Gleitschirm, den der Pilot zu weit vorschießen lässt. Der „Trainer“ bleibt aber brav stehen wie ein Schulschirm nach dem Rückwärtsstart, nur starke Böen müssen natürlich vom Piloten ausgesteuert werden.

Jetzt geht es an die Krönung : wir gehen mit Kite und Board ins Wasser. Ein Kiteboard ist kürzer und leichter als ein Surfbrett, und der Auftrieb ist so gering, dass ein Rider ohne Speed untergeht wie ein Stein. Der Kitesurfer muss sich also auf dem Rücken im Wasser treiben lassen, die Füße in die Schlaufen des Boards bringen und gleichzeitig den Kite überm Kopf in der Luft halten. Danach muss er durch starke Beschleunigungen der Kappe ausreichend Energie zu sammeln, um sich auf das Board hieven und danach noch beschleunigen zu können. Selbst für gestandene Windsurfer keine einfache Aufgabe !

Irgendwann, nach einigen missglückten Versuchen und mit etlichen Tassen Lagunenwasser im Magen, klappt es dann : triumphierend reiten wir über die Wasseroberfläche . Noch weit entfernt von kühnen Sprüngen oder eleganten Jibes, aber immerhin : der Schirm trägt, der Kitesurfer fährt. Dabei will die Kappe ständig durch Achterbewegungen bei Laune gehalten werden, und gleichzeitig muss die Fahrtrichtung durch Fußsteuerung beibehalten werden. Es klappt immer besser : erst schafft der frischgebackene Kiter zehn Meter am Stück, dann zwanzig, dreißig... bis der Schirm wegen eines Pilotenfehlers eben doch irgendwann nicht mehr ausreichend trägt und der Rider plump abstürzt. Immerhin, trotz aller Parallelen zum Gleitschirm-Sport : so ein Absturz unterm Kite bleibt zum Glück spürbar weicher !

Sascha Burkhardt


Weitere Infos :

Kiten und Gleitschirmfliegen bei La Franqui
Die Schule Adrenaline von John Pendry ist von Mitte März bis Mitte November geöffnet. Ein Anfänger-Schnupperkurs am Wochenende kostet ca. 170,-Euro, fünf Tage Anfänger-Schulung von Montag bis Freitag schlagen mit ca.380 ,-Euro zu Buche. Die Ausrüstung wird gestellt, allerdings sollte der Schüler selbst im Hochsommer wenigstens einen leichten Neoprenanzug mitbringen. Adressen von Camping-Plätzen in La Franqui und bei Leucate finden Sie auf der Homepage von Adrenaline. Dieser Küstenabschnitt ist im Vergleich zu den Stränden weiter nördlich und südlich deutlich weniger überlaufen : hier kann man selbst im August noch sein Badetuch in voller Größe ausbreiten. Auf den Lagunen der Gegend toben sich Surfer und Kiter auch bei Starkwind nach Herzenslust aus : im Gegensatz zum offenen Meer läuft hier niemand das Risiko, bis zu den Balearen abgetrieben zu werden ! Auch kulturell hat diese Region am Nordrand des französischen Kataloniens einen ganz eigenen Charakter und ist in jedem Fall ein interessantes Urlaubsziel. Die Anfahrt nach La Franqui geht fast durchgängig über Autobahnen und ist beispielsweise ab dem deutsch-französischen Grenzübergang bei Freiburg etwas über achthundert Kilometer lang. ADRENALINE, 19 av de la Méditerranée, F-11370 LA FRANQUI Tel. 04 68 64 30 08 Fax. 04 68 64 56 76 http://www.adrenaline-kitesurf.com/ (NEU)

Leider ist John Pendry nur selten bei der Schulung dabei. Wenn er sich dann doch mal zeigt, gibt er aber dafür gerne hervorragende Tipps betreffs der Gleitschirm-Flugberge in der Region ! Denn wenn sich die Tramontane gnädig gibt und einmal nicht pustet, finden sich schöne Fluggelegenheiten in der Umgebung. Zum Beispiel der Lieblingsflugberg von John Pendry, ungefähr 70km von La Franqui entfernt. Der Startplatz liegt direkt am Fuße der imposanten Burgruine von „Peyrepertuse“, die mit Meeressicht über wohlriechenden Buschlandschaften und kargen Kalkfelsen thront. Hier haben die geheimnisvollen Katarer den mittelalterlichen Päpsten mit eisernem Willen Stirn geboten, um ihre eigene christliche Auffassung zu verteidigen. Andere Flugmöglichkeiten gibt es ab einer Entfernung von ca. 100 km in den Pyrenäen. Der besondere Clou aber ist die Klippe von Cap Leucate, direkt neben La Franqui. Die sonst sehr flache Küste bietet hier auf einmal eine 55 Meter hohe Klippe (Südost bis Ost), an der bei vorherrschender Seebrise direkt überm Meer prima gesoart werden kann. Zu Fuß oder auf vier Rädern geht es von Leucate Plage auf die Klippe, dort am Leuchtturm vorbei bis zum Beobachtungsposten der Marine. An dieser Stelle kann der Schirm auf einer perfekt geneigten und geräumigen Grasfläche in östlicher bis südöstlicher Richtung über den Felsen ausgebreitet werden- und auf geht“s : Eine laminare Brise um die 25 km/h, weich wie Butter, trägt den Piloten bis zu 100m über die Köpfe der Badenden am Fuße der Klippe. Ein kühlender Flug unter der sengenden Sonne, den salzigen Geruch des Mittelmeers in der Nase ! Der Pilot schwebt stundenlang auf einem Kissen aus Watte, um sich gleich danach in die Fluten zu stürzen und beim Abendessen vom Kitesurfen oder dem Tauch-Trip des nächsten Tages zu träumen. Es handelt sich hier um einen „ wilden Flugberg“, und er sollte nur beflogen werden, wenn Toplanden möglich erscheint. Im Falle einer Notlandung auf dem Strand auf die Badenden Rücksicht nehmen ! Vorsicht, bei südlichen Winden ist die Klippe turbulent. „Streckenflug“-möglichkeit : Südlich der Klippe entlang (ca 1 km). Falls besonders gute Konditionen herrschen, kann man auch nördlich Richtung La Franqui fliegen. Dort gibt es aber keinen Landestrand im Falle eines „Absaufers“ ! !.


Sicherheit beim Kitesurfen
Auch wenn Kitesurfen auf den ersten Blick weit weniger gefährlicher erscheint als Gleitschirmfliegen : es hat schon folgenreiche Unfälle gegeben. Wer ohne jede Ausbildung „einfach so drauflos kitet“, hat gute Chancen, gefährlichen Leichtsinn zu machen. Der Pilot sollte doch ein minimales Grundwissen von erfahrenen Fahrern übermittelt bekommen. Das beschleunigt nicht nur die Lernfortschritte ungemein. Häufige Unfallursache bei Ungeübten : der Wind ist auf einmal doch stärker als angenommen, und eine besonders kräftige Böe reißt den Kitesurfer in die Luft und lädt ihn erst an Land wieder ab ? zum Beispiel auf einem parkenden Auto. Auch Außenstehende am Strand oder der auf der Übungswiese können schnell gefährdet werden : die langen Fangleinen spielen auf einem großen Radius Rasenmäher, und unbeteiligte Menschen und Tiere können ordentliche Schnittwunden davon tragen. Wer mal in Deutschland in einen Kitekurs hereinschnuppern möchte, kann sich auch über den VDWS Schuladressen vermitteln lassen : Verband Deutscher Windsurfing und Wassersportschulen VDWS Dr.-Karl-Slevogt-Str. 5 D-82362 Weilheim i.OB FON ++ 49 (0) 881 - 9311- 0 FAX ++ 49 (0) 881 - 9311 - 15

http://www.vdws.de/


Die Ausrüstung
Nicht nur für die ersten Windspiele mit dem Kite, sondern auch für die Wahl der Ausrüstung ist fachkundige Beratung unerlässlich. Kitesurf oder Snowkite ? Zweileiner, Vierleiner, Rogallo, Tubekite, Matte, Hybrid ? Gestreckter Schirm (hohe „Aspect Ratio“ im Kiter-Jargon) oder kleine „Aspect Ratio“ ? 15 oder 30 Meter lange Leinen ? Je nach Können und vor allem nach Einsatzbereich werden vom Kite vollkommen unterschiedliche Eigenschaften verlangt. Die Wahl des Boards ist ebenfalls nicht einfach : kurz oder lang, großes oder kleines Volumen, Directional (fährt nur in eine Richtung) oder Bi-Directional (kann in zwei Richtungen fahren)... Die Kitelehrer beantworten diese Fragen und helfen, Fehlinvestitionen zu vermeiden. Für eine komplette Einsteigerausrüstung muss der angehende Tiefflieger mit ungefähr 2.500,- DM rechnen : 1000,- DM für ?s Board, 1.500,-DM für Kappe, Bar (Lenkstange) und Leinen. Dazu kommt noch ein Helm und, je nach Einsatzgebiet, ein mehr oder weniger dicker Neopren-Anzug. Für sommerliche Touren im Mittelmeerraum reicht ein ?Shorty“, in nördlicheren Breiten muss es dann schon echter Surfanzug sein.

Wir haben für die kalte Jahreszeit einen besonders interessante Verpackung für uns entdeckt : der Überlebensanzug „TPS“ der französischen Firma Guy Cotten ist eigentlich eher für Segelsportler in Extremsituationen konzipiert worden. Der recht leichte Trockenanzug ist wasserdicht und treibt wie eine Schwimmweste auf. Der berühmte Weltumsegler Thierry Dubois (Vendée Globe) verdankt ihr sogar nach eigener Aussage sein Leben nach der Kenterung seines Schiffes in den kalten Fluten der südlichen Eismeere. Selbst nach sechs Stunden Aufenthalt in 0-2 Grad kaltem Wasser soll die Temperatur im Anzug noch angenehm sein. Ganz so wild haben wir es bei unseren Tests nicht getrieben, aber beispielsweise zwei Stunden „Body-Drag“ in der novemberlichen Kälte eines mitteleuropäischen Sees hinterliessen nur kuschelig-warme Erinnerungen ! Und dies, obwohl durch die starken Strömungsgeschwindigkeiten beim Body-Drag eben doch etwas Wasser in den Anzug gedrückt wurde. Auskünfte : http://www.guycotten.com/ (nach TPS suchen) oder Guy Cotten, BP 538, 29185 Concarneau, Frankreich, Tel. 0033 2 9897 66 79, Fax 00 33 2 98 50 23 62

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Herausgeber: Mag. Norbert Aprissnig
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